Ray Davies mit Band und Chor im Hammersmith Apollo Theatre in London (Dezember 2009)


All die Brit-Pop Bands, von Oasis über Blur bis zu den Arctic Monkeys, berufen sich auf die Kinks, wenn sie auf die einflussreichsten Wurzeln ihres Schaffens angesprochen werden. Die legendäre Gruppe aus den Swinging London der Sixties schuf bereits 1964 mit “You Really Got Me” den ersten Hard-Rock Song in UK, der die Wende vom Beat zum Rock einläutete. Genau mit diesem Song und dem unmittelbar daran gehängten “I Need You” startete Ray Davies, ehemals Frontman der Kinks, sein über drei stündiges Programm im berühmten Hammersmith Apollo Theatre im Herzen Londons.

“I started with the Heavy Metal Songs first!” rief der bestens aufgelegte, geniale Singer/Songwriter (geb. am 21.6.1944 in Muswell Hill / London) augenzwinkernd seinem erwartungsvoll gespannten Publikum zu. Allerdings bot er die beiden Kinks-Klassiker zusammen mit Bill Shanley auf zwei akustischen Gitarren “unplugged”. Wer aber geglaubt hätte, Ray Davies würde mit seinen 65 Jahren nun leiser treten, sah sich positiv getäuscht. Nach fast einer Stunde im Duett mit dem hervorragenden Leadgitarristen Shanley und mehr als einem Dutzend solcher Kinks-Hits wie “I’m Not Like Everybody Else”, “Apeman”, “Dedicated Follower Of Fashion”, “Dead End Street” und neueren Songs wie “In A Moment” aus seinem vorletzten fantastischen Solo-Album “Working Men’s Cafe”, “Hymn For A New Age” und “Vietnam Cowboys” ging er in “Apache” über, den einzigen Cover-Song dieses Abends von den Shadows, wozu die gesamte Begleitband auf der Bühne erschien und zu rocken begann.

Bis zur Pause schwelgte dann Ray Davies mit etwas schütterem Haar in alten Zeiten, in Gedanken an seinen kranken Bruder Dave Davies und erwies sich einmal mehr als echter Storyteller und Entertainer, als “Well Respected Man”. Mit dem “Morphine Song” erinnerte der Mann im lässigen Mod-Anzug an seine schwere Zeit im Krankenhaus von New Orleans, als er nach einem Überfall 2004 von einem Straßenräuber angeschossen, wieder gesund gepflegt wurde, um gleich darauf auszurufen: “Baby, I Feel Good!” An den Keyboards begleitete ihn sein langjähriger Freund von den Kinks, Ian Gibbons. “Where Have All The Good Times Gone?” fragte der ehemalige Kunst-Student sich und seine zahlreichen Weggefährten auch im Publikum – darunter Andy Scott von The Sweet mit Frau.
Neben dem neuen Bassisten Dick Nolan, überzeugte vor allem der junge Drummer Damon Wilson aus Sydney mit spektakulär synkopierten Wirbeln quer über die TomToms.

Nach der Pause lief der Crouch End Festival Chor ein, um die Kinks-Klassiker vielstimmig zu unterfüttern. Auf seinem letzten Solo-Werk „The Kinks Choral Collection“ setzte Ray Davies seine berühmtesten Titel nochmals mit Chor spektakulär elegisch in Szene, so auch live im nahezu ausverkauften Hammersmith-Apollo. Beginnend mit “Shangrila” aus dem Konzeptalbum “Arthur” über “Victoria” bis zu einem seiner genialsten Songs “Waterloo Sunset” spannte er den Bogen. Am beeindruckendsten fiel “See My Friends aus, teilweise im gregorianischen Stil a-capella vorgetragen. Die Hommage über die “Village Green Preservation Society” und die zweite Fassung von “You Really Got Me” leitete an diesem denkwürdigen Konzertabend Chorleiter David Temple enthusiastisch mit viel Gespür für die ungewöhnliche Verbindung von Chor- und Rockmusik.

Trotz der Beschwörung mit “All Day And All Of The Night” musste auch dieses herausragende Konzertereignis mit einem der größten Songschreiber und Bandleader Großbritanniens nach 23 Uhr einmal zu Ende gehen. Doch forderte das Publikum unbedingt noch die Zugabe “Lola”, den größten Erfolg der Kinks. Ray Davies ließ sich nicht lange bitten und vereinte am Schluss Chor und Publikum zu einem kaum enden wollenden Mega-Chor: “Lo, lo lo lo Looola!” - “God Save The Kinks!” (T-Shirt Merchandise mit Nostalgie-Garantie) mit Freudentränen bei so manchem Fan beim Hinausgehen ins schneebedeckte „Whitemare“-London.
Foto und Text: Helmut Oelschlegel


Setlist of 19. December 2009
Ray Davies of The Kinks & The Crouch End Festival Choir in London, Hammersmith Apollo Theatre:
1. You Really Got Me
2. I Need You
3. I'm Not Like Everybody Else
4. Apeman
5. In a Moment
6. Hymn for a New Age
7. Strange Effect
8. Dedicated Follower of Fashion
9. Autumn Almanac
10. Sunny Afternoon
11. Dead End Street
12. Apache (Band is coming)
13. After The Fall
14. Vietnam Cowboys
15. Well Respected Man
16. Morphine Song
17. 'Till The End of The Day
18. Where Have All The Good Times Gone
19. 20th Century Man

20. Shangri-La
21. Victoria
22. Working Man's Cafe
23. See My Friends
24. You Really Got Me
25. Village Green
26. Picture Book
27. Big Sky
28. Do You Remember Walter
29. Johnny Thunder
30. The Village Green Preservation Society
31. Postcard From London
32. Celluloid Heroes
33. Waterloo Sunset
34. Days
35. All Day And All Of The Night
36. Lola

Nach der Sommerpause


7.9.2010

Liebe Freunde,

selbst in Bayern gehen die Sommerferien allmählich zu Ende. Und die Beat Stories erscheinen nun wieder regelmäßig.

Viel Vergnügen und keep on rockin`,
Thomas Kraft

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